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Rezension: "Das weibliche Prinzip" von Meg Wolitzer

Feminismus: Ein Thema mit vielen Facetten und Meinung, die jedoch alle ein Ziel haben: die Rolle der Frau stärken und gegen Ungleichheiten vorgehen. Im Rahmen von #Metoo und Women's March scheint dies wichtiger denn je und dank des Internets bieten sich zahlreiche Identifikationsfiguren für junge Frauen, die vormachen, wie es geht. Genau auf so ein Vorbild trifft auch die junge Studentin Greer in Meg Wolitzers neusten Roman "Das weibliche Prinzip", der nicht nur ein Manifest des Feminismus darstellt, sondern auch den aktuellen Zeitgeist einzufangen versucht. 

"Sie begriff irgendwann, dass die Begegnung mit Faith Frank der aufregende Anfang von allem gewesen war. Das bittere Ende lag noch in weiter Ferne." (S. 10)

"Das weibliche Prinzip": Darum geht es


Greer ist gerade frisch am College und lernt bei einer Veranstaltung die Frauenrechtlerin Faith Frank kennen, die sie sofort in ihren Bann zieht. Die junge Studentin beginnt daraufhin ihre eigene Einstellung zu verändern und nach ihrem Abschluss bietet sich für sie sogar eine einmalige Chance: Ein Vorstellungsgespräch bei der berühmten Feministin höchstpersönlich. Doch sie ahnt nicht, dass diese neue Welt nicht nur ihre Überzeugungen auf die Probe stellen wird, sondern auch ihre Freundschaften und Beziehungen.

In "Das weibliche Prinzip" verfolgen wir Greers Lebensgeschichte und Meg Wolitzer schafft es gekonnt mit Rückblenden in die Vergangenheit ein Porträt der Charaktere zu erschaffen, das ihre Entscheidungen untermauert. Die Geschichte wird zu Beginn aus der Sicht von Greer erzählt, doch im Verlaufe der Handlung gibt es dann weitere Kapitel über Faith Frank, Greers Collegefreundin Zee und ihren Freund Cory. 

"Ich glaube es gibt zwei Sorten von Feministinnen. Die berühmten und den ganzen Rest, all jene, die still und gewissenhaft ihre Arbeit erledigen, ohne viel Anerkennung zu ernten." (S. 405)

"Das weibliche Prinzip": Mein Fazit


"Das weibliche Prinzip ist nach Die Interessanten* bereits mein zweites Buch der Autorin und ich muss sagen, dass man ihren speziellen Schreibstil schon mögen muss. Gekonnt schafft sie es aber die Charaktere zu konstruieren und sie über mehrere Jahre beziehungsweise Jahrzehnte hinweg auf ihrem Lebensweg zu begleiten und damit aufzuzeigen, welche Momente und Einflüsse zu gewissen Wendungen und Entscheidungen führen. Dabei werden nicht nur aktuelle politische und gesellschaftliche Themen aufgegriffen, sondern auch die ein oder andere philosophische Erkenntnis verpackt. 

Bei "Das weibliche Prinzip" fand ich besonders Greers Sicht sehr mitreißend, da ich mich einfach sehr gut in sie hineinversetzen und ihre Entscheidungen durch und durch nachvollziehen konnte. Weniger gelungen und durchaus langatmig fand ich die Storyerzählungen aus den Perspektiven von Cory und Faith, auch, wenn diese für das Verständnis der Handlung durchaus "nice to have" waren, waren sie nicht unbedingt notwendig. Ich hätte mir lieber einen tieferen Einblick in das Leben von Greer während ihrer Arbeit gewünscht. 

Denn das ist etwas, was aus dem Roman für mich zu wenig hervorgegangen ist. Zwar werden immer wieder Beispiele von Ungerechtigkeiten gegenüber Frauen genannt und konkrete Personen herangezogen, doch manchmal hat mir die Tiefe gefehlt. Auch im letzten Kapitel gibt es einen großen Zeitsprung, der durchaus Potenzial für mehr geboten hätte. Trotzdem hat mir "Das weibliche Prinzip" gut gefallen, auch, wenn ich einige Stellen etwas langweilig fand und ich mir aus diesem Grund auch bei meiner finalen Sternebewertung (schwankend zwischen 3 und 4) nicht sicher war. Am Ende ist es aber ein gutes Buch über den Lebensweg einer jungen Frau, mit all seinen Tücken und Problemen, mit denen sich wohl jeder identifizieren kann. Die ganze Feminismus-Thematik spielt zwar eine tragende Rolle, tritt aber zugunsten der Charakterbeziehungen untereinander manchmal auch in den Hintergrund.

Fazit: ⭐️⭐️⭐️⭐️
(4 von 5 Sternen) 

"Das weibliche Prinzip" von Meg Wolitzer | Dumont Verlag | 
erschienen am 24. Juli 2018 | 496 Seiten | ISBN 9783832198985

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Kommentare

  1. So eine wunderschöne Rezession,ich liebe deinen Schreibstyle und freue mich auf weiterer tolle Bücher
    Liebe Grüße Billy

    AntwortenLöschen
  2. Hallo Sarah,

    das Buch hört sich tatsächlich interessant an und ich finde es gut, dass Bücher zu diesem Thema immer mehr ins Augenmerk geraten. Schade, dass dich das Buch nicht ganz mitnehmen konnte und Potenzial verschenkt wurde.

    Liebe Grüße
    Desiree

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  3. Huhu Sarah,

    ich muss sagen, dass das Cover mich jetzt überhaupt nicht angesprochen hat und das Buch mir wahrscheinlich nie aufgefallen wäre. Aber es klingt wirklich toll. Das landet direkt auf der Wunschliste.

    Danke für die tolle Rezension. <3

    Liebe Grüße

    Sunny

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